Living Planet – Der WWF Podcast

Living Planet – Der WWF Podcast

Ein Podcast des WWF Deutschland zu Arten- und Naturschutz im 21. Jahrhundert.

Transkript

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00:00:00: Unbekannt Der Wolf ist halt ein einfaches Symbol für Sachen, die nicht so gut funktionieren.

00:00:08: Unbekannt Er frisst kleine Kinder und Großmütter. Er ist eine Wilde, eine Bestie. Und seine Verwandten verwandeln sich bei Vollmond. Es wird von klein auf uns beigebracht, sich vor ihm zu fürchten. Und dieses Narrativ bedient zudem Film und auch Fernsehen. Es gibt kaum ein Tier, um das sich so viele Mythen, Märchen und vor allem Missverständnisse drehen wie beim Wolf. Und das Wort Missverständnisse ist hier Drei Mal droht unterstrichen.

00:00:37: Unbekannt Das ist Living Planet, der WWF Podcast. Ich bin Eileen Wegner, Redakteurin beim WWF Deutschland. Der Wolf ist aber ein unschätzbarer Teil unseres Ökosystems. Damit das so bleibt und es besser wird, dafür setzt sich meine Kollegin Dr. Sybille Klenzendorf ein. Programm Leitung Wildtiere. Deutschland und Europa. Und unsere Wolfsexpertin. Hallo Sibylle. Hallo Eileen, Der Wolf ist zurück in Deutschland und kaum ein Tier polarisiert so stark.

00:01:07: Unbekannt Und warum löst ihn gerade der Wolf so extreme Emotion aus? Ja, also der Wolf ist natürlich in unserer Kultur schon tief verankert, was ja auch in der Einleitung gesagt wird. Durch die Rotkäppchen Märchen und sehr viel der böse Wolf usw Deswegen kennen wir das schon von klein auf. Aber der Wolf ist natürlich aber auch auf der positiven Seite in unserer Kultur.

00:01:33: Unbekannt Es gibt ja sehr viele Filme. Also ich weiß noch, der mit dem Wolf tanzt und es wird so als Wildnis ideologisiert. Also die freie Wildnis von Nordamerika und so und das sind halt dann diese zwei Bilder, die übermittelt werden vom Wolf und da kann man natürlich auch sehr gut polarisieren, auch in den Medien, der lass uns noch mal drei Schritte zurückgehen und über den Wolf selber sprechen.

00:01:58: Unbekannt Was ist ein Wolf in deinen Worten? Ein Wolf ist ein Symbol von Wildnis, von funktionierender Natur für mich. Also das ist ja. Wenn es Wölfe gibt, dann ist auch eine gute, intakte Natur vorhanden. Und wenn man den jetzt als biologischen Steckbrief vorstellen würden, wie würde das denn klingen? Ja, ein Wolf ist ein Raubtier. Es ist auf jeden Fall am Ende dieses Netzwerks des Ökosystems.

00:02:32: Unbekannt Es steht ganz oben auf der Spitze und wenn es Wölfe gibt, dann heißt es, dass es eben dieses Netz der Natur unten drunter auch da sein muss, um überhaupt Wölfe zu haben. Könntest du einmal so grob ich weiß, ein Wolfsleben ist ja lang, aber einmal so das typische Leben eines Wolfes nachzeichnen für uns, damit wir ein bisschen besser verstehen, wie ein Wolf so in der Wildnis unterwegs ist.

00:02:55: Unbekannt Ja, Wölfe sind in Familienstrukturen unterwegs, also in Familien, in Rudeln, sagen wir in Fachbegriffen. Und das ist dann eben das Elternpaar und meistens ein Wurf dabei, manchmal sogar auch noch die nächste Generation. Es ist nicht immer so, aber genau. Also eine Familienstruktur zwischen fünf und zehn Tieren in einer Familie. Und die Wölfe haben Territorien, also sesshafte Regionen, wo sie auch wohnen und dann das.

00:03:29: Unbekannt Von der Größe her variiert es je nachdem, wie viel es zu fressen gibt, zwischen 100 und 350 Quadratkilometer ungefähr. Wie viele haben wir denn aktuell in Deutschland? Wie viele Wölfe im Moment? 202425? Ist dieses Monitoring? Ja. Haben wir 219 Rudel, 43 Paare und 14 einzelne Wölfe, die dokumentiert worden. Das ist ungefähr so 1600 Tiere bundesweit. Wie sieht die Tendenz aus?

00:03:58: Unbekannt Also haben wir steigende Zahlen. Haben wir sie keine Zahlen, stagniert es aktuell? Ja. Im Moment ist es eher so, dass das nicht mehr so stark ansteigt, sondern eher stagnierend ist. Also gerade auch die Zahl der Territorien, wo diese Wölfe sind, ist im letzten Jahr nicht gestiegen. Also oft wird jetzt in den Medien auch gesagt, der Wolf wächst Exponential 30 % im Jahr und das ist leider.

00:04:25: Unbekannt Also das ist jetzt nicht mehr der Fall, Das war am Anfang der Fall und das ist ja auch so, wenn ein Art neu wieder in ein Territorium zurückkommt, wächst die Population, was wir sagen Exponentialalso stark ansteigend, aber in vielen Bereichen. In Deutschland ist es eben jetzt auf einem Plateau angelangt, wo alle Territorien besetzt sind und das ist hauptsächlich im Norden, Nordosten der Fall.

00:04:48: Unbekannt Im Süden von Deutschland haben wir noch sehr wenig Wölfe, aber da geht auch diese Ausbreitung viel langsamer vonstatten wie im Norden. Woran liegt das? Das ist noch nicht so ganz klar, warum es jetzt so ein bisschen stagniert, auch im Süden. Also wir wissen, dass sehr viele Wölfe im Süden auch wirklich sterben, überfahren werden. Also gerade ich wohne in Baden Württemberg in der Nähe vom Schwarzwald und wir haben seit zehn Jahren jetzt immer nur so um die fünf sechs Wölfe.

00:05:17: Unbekannt Wir hatten letztes Jahr dann das erste Rudel und prompt wurde die Wölfin dann vom Auto überfahren. Es gibt aber auch was wir wissen illegale Tötungen und deswegen ist es nicht so ganz klar, warum das jetzt so langsamer hier im Süden geht. Im Norden ist es natürlich sehr gutes, sehr guter Lebensraum, also gerade im Osten von Deutschland große zusammenhängende Gebiete, die auch nicht sehr, sehr dünn besiedelt sind von Menschen und noch mal zum Beispiel die ehemaligen Truppenübungsplätze im Osten oder zusammenhängende Wildnis und Wälder und Wiesen.

00:05:51: Unbekannt Und da ist es auch optimales Habitat für Vögel sein. Bei uns im Süden ist dann eher so ein bisschen kleinere zersiedelten Strukturen und hier Möglichkeiten, dann eben auch überfahren zu werden oder so, bevor wir gleich auf die Situation mit den Menschen eingehen, würde ich gerne noch mal darüber sprechen, welche Rolle der Wolf hat. Im Ökosystem, eben im Europa.

00:06:15: Unbekannt Also man kann sich die Wölfe so als diese Gesundheitspolizei vorstellen. Also sie sind wirklich die ganz oben stehen. Sie reißen überwiegend alte, kranke und geschwächte Tiere von Beständen. Hauptsächlich in Deutschland sind es Rehe, Hirsche und Wildschweine. Deswegen bleiben dann die Wölfe auch praktisch auf einem Plateau, wenn sie erstens kein Territorium mehr haben oder dann auch nicht genug zu fressen haben.

00:06:40: Unbekannt Das heißt, der Nachwuchs richtet sich dann stark danach am Angebot. Und deswegen ist es auch so, diese Sachen, die man in den Nachrichten hört, dass wir Wölfe durch Jagd zum Beispiel kontrollieren müssen für die Bestände, das ist eigentlich ökologisch gar nicht gegeben. Also sie regulieren sich als Top Predators, also als Top Raubtier selber. Der Nachwuchs richtet sich nach dem Angebot, was es zu fressen gibt.

00:07:07: Unbekannt Okay, dann geh mir jetzt mal darauf ein Wir sind hier die Wölfe. Man sagt ja immer die Wölfe kommt zurück. Wie ist denn jetzt die aktuelle Situation mit dem Zusammenleben von Wölfen und Menschen? Ein paar Sachen hat es ja schon so ein bisschen angedeutet. Nehmt uns da gerne mal ein bisschen genauer mit hin. Ja, also die Rückkehr ist natürlich auch behaftet.

00:07:27: Unbekannt Das muss man auch so sagen, weil wir in Deutschland eben lange, lange keine Wölfe mehr hatten. Wir müssen uns jetzt auch erst wieder daran gewöhnen, sozusagen, wie wir mit Wölfen koexistieren oder zusammenleben. Und der Hauptfaktor der Rückkehr ist natürlich der Konflikt mit der Landwirtschaft, mit den Nutztieren, also Schafe. Ziegen sind hauptsächlich dann die gefährdet, wenn der Wolf zurückkommt, speziell wenn diese Tiere eben nicht mehr geschützt sind.

00:07:56: Unbekannt Wir mussten viele über 100 Jahre, denn die unsere Nutztiere nicht mehr schützen, also durch Schäfer oder durch Zäune oder nachts. Und das ist jetzt eben wieder der Fall. Im Moment ist es so, dass wir ungefähr 1100 Übergriffe hatten auf Nutztiere letztes Jahr. Das sind ungefähr 4300 Tiere, die durch den Wolf gestorben sind. Und das ist auf jeden Fall viel, auch speziell für die einzelnen Landwirte Ist es schon.

00:08:28: Unbekannt Auch kann das sehr wirtschaftlich auch belastend sein, wenn wenn eine Herde angegriffen wird von jemand von einem Wolf genau. Aber im Vergleich jetzt zu Mortalität, woran Nutztiere sonst sterben, ist der Wolf wirklich 2 % höher? Habe ich gerade eine Statistik eine neue Wohnung als als Grund für warum? Nutztiere sterben Also insgesamt sehr sehr gering. Aber natürlich, im Einzelfall kann es dann schon eine große Belastung sein.

00:08:59: Unbekannt Jetzt sagst du gerade 2 % ist der Wolf schuld. Was glaubst du denn, warum diese Diskussion um den Wolf deswegen so angeheizt ist? Zwar an sich ist es ja wirklich also ein geringer Prozentsatz. Ja, ja, der Wolf ist halt ein einfaches Symbol für Sachen, die nicht so gut funktionieren, also in der Landwirtschaft. Das ist natürlich auch sehr, sehr schwierig.

00:09:23: Unbekannt Wir wissen ja, dass immer es immer schwieriger wird, auch zu überleben, in der Landwirtschaft wirklich ein Leben zu gestalten ökonomisch. Es gibt viele Faktoren dadurch mit Agrarpolitik und Subventionen usw. Aber der Wolf ist natürlich ein einfaches Bild dafür, dass es der Landwirtschaft größtenteils nicht gut geht und auch sich darauf praktisch sozusagen zu konzentrieren. Da ist was, das können wir wirklich angehen, sozusagen als als Faktor.

00:09:53: Unbekannt Und ich glaube, dass das wirklich der Grund ist, warum dieses Symbolbild Wolf dann eben so auch so stark ausgenutzt wird in der Kommunikation und Politik, da können sich alle hinten dann das ist ein konkretes Bild, wo man sich vereinen kann dahinter. Aber der Grund untendrunter. Das ganze System, das es daran krankt, ist natürlich schwieriger zu erklären. Und dann, daran hängt es, glaube ich, dass man sich selbst dann ein Bild als ein Feindbild kreieren kann.

00:10:21: Unbekannt Und das ist und auch die Politik dann sagen kann wir haben was gemacht, gerade im Moment in der Politik. Mit dem Jagdgesetz ist es natürlich so, das stand von Anfang an im Koalitionsvertrag der neuen Regierung. Wir, wir machen was für die Landwirte und wir bekämpfen wir. Wir jagen jetzt den Wolf. Und das war Das ist ein Bild, wo alle sagen Jetzt haben sie was gemacht, jetzt können sie das abhaken.

00:10:47: Unbekannt Der Trick wird jetzt sein, auch in der Umsetzung dann wirklich zu zeigen. Sie haben gesagt, wenn wir den Wolf jagen, dass es dann mit den issen zurückgeht und das bezweifeln wir alle ja sehr, weil wir auch von anderen Ländern und Studien wissen, dass das überhaupt nicht der Faktor ist, der wirklich zu Nutztierrissen die Regulierung führt. Diese generelle Jagd okay, Gesetz auf jeden Fall müssen wir da noch drüber sprechen, möchte ich mal kurz bei der Landwirtschaft bleiben, denn es gibt ja einige Schutzmaßnahmen um eben die Nutztiere zu schützen.

00:11:21: Unbekannt Magst du uns da mal bitte ein bisschen aufklären? Ja genau. Also seit der Wolf zurück kehrt, seit 2026 Jahre haben wir und auch die Regierung sehr viel investiert in Herdenschutz, dass wir eben diese diesen Schutz und diese alten Traditionen von Schutz wieder lernen und wieder übernehmen. Und gerade da, wo wir schwer investiert haben, also in den nördlichen Bundesländern, haben wir gesehen, dass es auch wirklich wirkt.

00:11:51: Unbekannt Also 2024 sanken zum Beispiel die Übergriffe bundesweit um 13 % und die Zahl der geschädigten Tiere insgesamt sogar um 25 %. Das heißt, da, wo Herdenschutz betrieben wird, gehen die Zahlen zurück. Also das ist wirklich ein Fakt und das sehen wir auch in anderen Ländern. Da wo Herdenschutz investiert wird, sind Schäden um die 80 bis 90 % zurückgegangen und Wahnsinn. Ja, also das ist auf jeden Fall sehr effektiv und natürlich kann es in Einzelfällen sein, dass einzelne Tiere Wölfe sich spezialisieren.

00:12:28: Unbekannt Auf die Überwindung dieses Schutzes. Aber das ist wirklich ganz selten der Fall. Und diese Tiere muss man, da sind wir auch nicht dagegen muss man gezielt entnehmen und zwar schnell und effektiv entnehmen. Und daran hakt unserer Meinung eigentlich, dass dieses Management, also guter Herdenschutz und dann effektives, schnelles Management von einzelnen Problemtieren das ist eigentlich das, wo wir uns darauf fokussieren und was auch in den letzten 25 Jahren gezeigt hat, dass es funktioniert.

00:12:59: Unbekannt Wie sehen denn die Schutzmaßnahmen konkret aus? Also welche werden angewendet und welche haben sich wirklich etabliert? Ja, also am meisten etabliert ist natürlich der Elektrozaun, dass es für den Wolf was für die Landwirtschaft hat ja schon immer also viel Elektrozäune. Na also, wir kennen das ja für den Wolf muss dann noch mal eine extra Lizenz, also dieses soll es so ein Draht eingezogen werden, eine ganz unten am Boden, dass der Wolf eben nicht unten drunter schlüpfen kann oder untergraben.

00:13:29: Unbekannt Und dann noch mal eine oben und die zwei extra Litzen. Das ist das, was wirklich dann auch sich effektiv gezeigt hat. Das andere sind hier Schutzhunde, auch sehr effektiv, wenn richtig angewendet. Aber das ist natürlich auch schon viel Arbeit und man muss auch die richtigen Hunde haben, man muss die auch richtig ausbilden. Das ist auch wird angewandt, aber eben nicht so breitflächig wie Elektrozäune.

00:13:55: Unbekannt Und dann die andere Sache ist noch mal Nacht oder Nacht auf Stallungen, dass man Schafe eben nicht die ganze Zeit draußen lässt über Nacht, sondern eben nachts auch wieder in Stallungen bringt. Okay, wenn es jetzt zu einem Wolfs übergriff kommt und einige Nutztiere verletzt getötet werden. Wie sieht denn momentan die Entschädigung aus für die für die Landwirte denn?

00:14:18: Unbekannt Oder gibt es überhaupt eine Entschädigung dafür? Also es ist nicht gleich in jedem Bundesland, also es kommt auf die Bundesland drauf an, wie es entschädigt wird, zu welchem Satz es entschädigt wird. Und das ist genau der Punkt, wo wir auch sagen, das kann eigentlich nicht sein. Das Es muss effektiver standardisiert werden, wie Landwirte und Landwirte entschädigt werden und auch wie das zum Beispiel finanziert wird durch EU und Bund Gelder.

00:14:48: Unbekannt Das kann nicht sein, dass jeder Landwirt und manche Landwirte haben ja sogar ihre Tiere in zwei verschiedenen Bundesländern stehen und dann kriegen sie verschiedene Raten, je nachdem wo das Tier dann gerissen wurde Und dieses das, also das muss wirklich auch besser organisiert werden und da und auch effektiv und schnell, dass es nicht lange Zeit dauert, bis das Geld dann wirklich auch ankommt.

00:15:10: Unbekannt Es klingt ja auch schon fast absurd, weil genau das war gerade mein Gedanke. Manche haben ja riesige Felder und dann ist es eine in dem einem Bundesland und anderen Bundesland und der Landwirt so ja schön, schleppe ich vielleicht noch mal spontan rüber, da können wir das mehr. Nein, das geht nicht. Also ist eines der Sachen, die wirklich verbessert werden müssen und können.

00:15:32: Unbekannt Gehen wir mal jetzt mal über in die Politik und das Jagdgesetz. Da hast du ja gerade schon ein paar Andeutungen gemacht. Nehme jetzt mal gerne mit, was was in den letzten, vielleicht auch zwei Jahrzehnten da passiert ist. Wenn du sagst 2000 kommt der Wolf wieder, also seit 2000 wird wahrscheinlich auch wieder diskutiert oder wie kann ich mir das vorstellen?

00:15:49: Unbekannt Ja, eigentlich war es lange Zeit gegeben, dass der Wolf streng geschützt ist. Auch in der EU, also unter der FH Habitat Richtlinie ist er ja geschützt in der EU. Was sich dann in Deutschland auf das Bundesnaturschutzgesetz überträgt. Und da war der Wolf bis vor. Na also, bis letzte Woche, Das sind ja noch nicht abgeschlossen, aber in der EU wurde er vor zwei Jahren jetzt heruntergestuft von Anhang vier, Das ist eben streng geschützt auf Anhang fünf, das ist geschützt.

00:16:22: Unbekannt Das heißt, es ist immer noch eine geschützte Art in der EU und in Deutschland wird das eben jetzt übersetzt in das der Wolf ins Bundes jagdgesetz aufgenommen wird. Also da ist jetzt eben letzte Woche die letzte Bundestags Lesung gewesen und jetzt muss es noch durch den Bundesrat. Dass es wirklich offiziell ist, das erwarten wir Ende März. Aber das heißt, dass es in Deutschland jetzt der Wolf eine jagdbare Art sein wird.

00:16:51: Unbekannt Und als geschützte Art kann man den Wolf oder auch andere geschützter Tiere bejagen. Wenn die Population und das ist auch wieder ein technischer Begriff in einem günstigen Erhaltungszustand ist. Das heißt, es gibt genug Tiere. Und dieses, ja, diese Festlegung eines günstigen Erhaltungszustand hat feste Kriterien, für die wir eben auch Analysen und Daten aufnehmen müssen in Deutschland. Jetzt wird es kompliziert, weil das sind vier Faktoren.

00:17:23: Unbekannt Also eines davon ist die Populationsgröße. Das andere ist gibt es genug Lebensraum, dann der nächste Faktor ist von diesem Lebensraum, den es gibt für Wölfe. Wie viel ist denn davon belegt? Für Wölfe Also zum Beispiel jetzt wir haben Lebensraum in Süddeutschland, der aber größtenteils noch keine Wölfe hat. Also das ist ein Beispiel. Und dann noch gibt es noch eine Kategorie, die heißt Wie ist denn die Zukunft aus Sicht des Wolfes?

00:17:52: Unbekannt Und für diese vier Kriterien wurden dann Studien angefertigt und Monitoring durch das Bundesamt für Naturschutz. Und die bewerten auch für die EU alle sechs Jahre wie der Erhaltungszustand unserer gefährdeten Arten ist und für den Wolf sehr. Interessanterweise wurde vor anderthalb Jahren der vorläufige Bericht vom Bundesamt für Naturschutz vorgelegt, wo dann drin stand, dass der Wolf eben noch nicht in einem günstigen Erhaltungszustand ist.

00:18:24: Unbekannt Leider wurde das aber dann von der Politik überstimmt. Also obwohl diese geht das ja, das sind sie also das ist auch noch. Eigentlich wissen wir nicht, dass es jemals passiert wurde. Passiert ist bis jetzt aber es gibt eben dann unsere gewählten Minister, die dann gesagt haben, auch das kann man auch finden. Es gibt Dokumente, wo dann eben drinsteht Anweisung an die Behörden.

00:18:52: Unbekannt Ne, also wir möchten, dass der Wolf im günstigen Erhaltungszustand ist und es ist echt unverständlich. Also, dass Daten, die öffentlich zur Verfügung stehen, dann aber auch nicht in diese Analyse dann eingeflossen sind, um eben diesen günstigen Erhaltungszustand zu erklären. Und da wird es also unserer Meinung nach auch und wir sind auch daran beteiligt. Also wir haben auch schon eine Beschwerde eingereicht an das Bundesamt für Naturschutz und an das Ministerium für Umwelt.

00:19:26: Unbekannt Ja, genau, das ist genau das, das ist die Analyse unserer Meinung nach nicht korrekt gelaufen ist. Und da wird es höchstwahrscheinlich dann auch auf EU Ebene Beschwerde geben, dass die EU eben noch mal nachprüft, ob Deutschland wirklich diesen Bericht auch korrekt angefertigt hat. Also da ist auf jeden Fall das letzte Wort noch nicht gesprochen und es muss auch.

00:19:48: Unbekannt Es kann nicht sein, dass es jahrelang investiert wird. Gelder an Monitoringdaten, die in Deutschland wirklich top sind, durch das DBBW heißt. Es ist also eine Organisation, die das Monitoring für Wölfe organisiert hat, für den Bund und genau das sind Daten erhoben, die aber nicht verwendet wurden in der Analyse. Jetzt sind wir noch beim beim Jagdgesetz wieder also genau, also das heißt, der wird ja, der Wolf könnte in den Bundesländern in Managementplänen ausgelegt werden als jagdbare Art, wie andere Wildtiere in Deutschland auch.

00:20:24: Unbekannt Und da ist eben jetzt auch noch nicht klar, wie sich wie sich das vonstattengehen wird. Weil eigentlich müsste der Bund sagen ja, so viele Wölfe könnten theoretisch in Deutschland gejagt werden, um diesen günstigen Erhaltungszustand zu erhalten, der ja von unserer Seite aber auch gar nicht gegeben ist. So wie wir das interpretieren und wie das organisiert, wird es auch noch nicht klar.

00:20:48: Unbekannt Also es gibt so viele Sachen, die in diesem Jagdgesetz unausgegoren sind, wie das dann auch umgesetzt wird in den Bundesländern und unserer Meinung nach. Wir haben auch mit anderen Verbänden innen ein Rechtsgutachten anfertigen lassen, sind also sehr viele Faktoren in diesem Gesetz, die einfach unions rechtswidrig sind, also EU rechtswidrig. Und da müssen wir jetzt echt mal abwarten, wie die Bundesländer das dann umsetzen werden.

00:21:13: Unbekannt Dieses Gesetz, wenn es dann Ende März verabschiedet ist. Und das Gute ist, die Bundesländer müssen großenteils dieses Gesetz nicht umsetzen. Sie könnten sich jetzt noch entscheiden und sagen Nee, also diese Sachen, die da drinne sind und die uns dann in Gefahr bringen, dass wir gegen EU Recht verstoßen, die werden wir jetzt nicht anwenden und das hoffe ich. Es gab nämlich auch interne Absprachen, dass fünf Bundesländer damals nicht zugestimmt haben, dass der Wolf im günstigen Erhaltungszustand ist und diese Länder und hoffentlich auch noch andere werden dann wahrscheinlich das Richtige tun und auch sagen Nein, wir setzen dieses Jagdgesetz nicht um, so wie es jetzt verabschiedet wurde.

00:21:53: Unbekannt Aber das ist noch offen. Es bleibt spannend. Also das werden wir jetzt sehen, wie dann dieses Jagdgesetz tatsächlich auch umgesetzt wird. Gut, dann kurz einmal zur Einordnung Heute bei der Aufnahme haben wir den 9. März 2026 durch alle unsere Aussagen mit dem heutigen Datum auf. Genau wie du gerade sagt, Es ist jetzt gerade unfassbar viel, was ich mich jetzt gerade gefragt habe Woher kommt denn die Motivation oder was ist die Motivation zu sagen, wir sind in einem günstigen Erhaltungszustand, weil an sich sprechen wir ja immer wieder darüber, dass wir die Artenvielfalt brauchen, dass wir alle Tiere, die hier leben, auch brauchen, eben für ein vielfältiges Ökosystem.

00:22:33: Unbekannt Und warum also woher kommt jetzt die Motivation zu sagen Na ja, vielleicht wollen wir den doch abschießen? Ja, das ist wie das Kommen wieder da zurück zu dieser Polarisierung und der Politik, also der Regierung zu sagen, wir machen jetzt was für die Landwirtschaft, das war ja in diesem Koalitionsvertrag drinne, dass der Wolf sagt, dass jetzt aufgenommen wird und er bejagt wird.

00:22:55: Unbekannt Aber das war eben eine politische Entscheidung. Es war eben nicht die Fachentscheidung auch der Agenda Ämter des BFF oder anderen Wissenschaftlern in der Regierung. Aber die politische Entscheidung und aber es ist so auch es wird auch so einseitig dargestellt, weil die Kosten, die jetzt da immer gezeigt werden, von den Nutztierrissen das waren also letztes Jahr wurden 25 Millionen ungefähr investiert in Herdenschutz und dann noch mal glaube 700.000 oder so in Nutztierrissen.

00:23:29: Unbekannt Entschädigungszahlen also. Aber im Vergleich was wir investieren in andere Agrarsubventionen ist es ja wirklich nichts. Und was man auch nicht berechnet hat und was unserer Meinung nach aber auch auf der anderen Seite aufgerechnet werden muss, ist, was der Wolf uns ökologisch wirklich auch sparen könnte, weil wir wissen das aus anderen Studien und anderen Ländern wieder das und auch nein, auch in Deutschland hatten wir zum Beispiel gab es eine Studie, dass wenn Wölfe da sind, dass zum Beispiel der Verbiss im Wald zurückgeht und die Schäden, die praktisch Rehe und Hirsche anrichten, an Bäumen, dass die auch zurückgehen, sobald der Wolf wieder da ist.

00:24:11: Unbekannt Und das spart natürlich auch. Das ist auch ein riesen Kostenfaktor von mehreren 500 Millionen oder so was. Habe ich eine Zahl gelesen. Das müsste man noch mal genau. Aber eine große Zahl von Schäden, die wirklich Verbiss anrichtet und wie der Wolf sich darauf einbringen könnte und diese Zahl verringern, das kommt gar nicht in die Debatte im Moment. Und das ist eben, was für mich unverständlich ist, dass das diese Seite total weggelassen wird und nur die eine Seite betrachtet.

00:24:42: Unbekannt Die Natur hat sich ja was gedacht, folgende Tiere hier anzusiedeln, weil es ist eben ein ein System, eine Balance aus den verschiedenen Tieren, die sich gegenseitig alle ihre ihre Rolle haben in unserem System. Deswegen. Also ich habe gerade auch ein bisschen mehr Fragezeichen über meinem Kopf, weil ich denke so hey why aber gut, also da sind ist der WWF dran.

00:25:03: Unbekannt Da sind andere Verbände dran, das auf politischer Ebene zu klären. Was könnte denn vielleicht auch jemand machen, der jetzt nicht in der Politik ist, vielleicht auch nicht irgendwie bei einer Organisation angesiedelt ist, um was Gutes für den Wolf zu tun? Also welche Möglichkeiten gibt es denn da? Hm, ja, also natürlich ist es wichtig, jetzt dieses diese Koexistenzfrage miteinander weiter zu lösen.

00:25:30: Unbekannt Also selbst wenn das Jagdgesetz jetzt kommt, muss es ja, wie schon gesagt habe, in den Bundesländern um umgesetzt werden. Und ich glaube, da ist es wichtig, dass Leute vor Ort sich wirklich auch informieren, je nachdem wo ihr wohnt. Was für Konflikte gibt es, dass korrekt kommuniziert wird? Also auch wenn man viele Leute posten oder Social Media, dass Fakten wirklich kommuniziert werden und nicht irgendwelche falschen Zahlen oder Negativbeiträge oder was wir auch schon sagen, ist vielleicht auch an die Politik schreiben und zu sagen, wir hätten gerne, dass Entscheidungen faktenbasiert und wissenschaftlich vonstattengehen und nicht auf Polemik und Politik nur basierend wirklich auch seine Abgeordneten anschreiben und sagen Wie ist denn das jetzt mit dem Jagdgesetz?

00:26:23: Unbekannt Das muss doch EU konform umgesetzt werden usw. Also es gibt. Sich in die Politik einzubringen dann natürlich Unterstützung von Organisationen, die sich einsetzen für Herdenschutz Maßnahmen zu finanzieren. Weil natürlich wird es von der Seite der Politik muss das sein, aber auch viele Verbände helfen eben da das zu garantieren, dass es vor Ort umgesetzt wird. Also das würde ich jetzt mal als erstes sagen.

00:26:52: Unbekannt Das klingt ja schon mal gut, wenn wir jetzt mal den politischen Aspekt ein bisschen vor vorne weglassen Was brauchen wir, um wieder eine gut funktionierende Koexistenz mit dem Wolf hier in Deutschland zu haben? Also wir müssen eigentlich weitermachen, wie wir es bis jetzt auch gemacht haben, bloß noch ein bisschen effizienter. Also konsequent den Herdenschutz weiter umsetzen und ausbauen.

00:27:13: Unbekannt Es muss das weiter gemacht werden, weil wir wissen, dass das funktioniert. Und dann müssen die Landwirtinnen und Landwirte fair unterstützt werden, wie wir schon vorher gesagt haben Es kann nicht sein, dass der eine mehr verdient, weil er im anderen Bundesland ist. An ausgezahlt. Dann müssen wir weiter Monitoring betreiben. Also wie, wie geht es weiter jetzt und auch wirklich sagen, wenn jetzt dann angefangen zu schossen, die Jagd wirklich leider in manchen Sachen umgesetzt wird, hat das auch den Effekt, dass es wirklich verbessert oder nicht.

00:27:48: Unbekannt Also da muss dann, da muss ein Monitoring in viel investiert werden, um das wirklich zu beurteilen und dann, wenn es nicht der Fall ist, dass man auch dass dieses moderne Wort Adept, das Management, dass man sagt okay, jetzt haben wir es ausprobiert, es hat aber nicht funktioniert, was machen wir denn dann? Also dieser, dieser Dialog und dieses Zusammenarbeit an dieser Koexistenz muss weitergehen.

00:28:08: Unbekannt Und ganz wichtig eben dieses faktenbasierte Kommunikation, dass es nicht dieses Polarisierende ist. Was wäre denn deine Botschaft an die Menschen, die wirklich noch Angst vor dem Wolf haben? Also es gibt ja immer diese Einzelfälle noch und dann oh nein, was mache ich denn jetzt, wenn ich durch den Wald spazieren und ich meinen kleinen Wuffi dabei habe und dann steht ein Wolf vor mir.

00:28:29: Unbekannt Und diese Szenarien sind ja ganz häufig bei ganz vielen noch im Kopf. Ja, also da kann ich schon mal sagen, seit der Wolf nach Deutschland zurückgekommen ist, gab es noch keine lebensgefährliche Verletzung. Also es ist. Es wurde noch niemand getötet von Wölfen. Es ist in bestimmten Regionen schon vorgekommen, dass wenn ein Wolf angefüttert wurde, dass die eben ihre Scheu verloren haben, dass die mal jemand mal gebissen wurde.

00:28:58: Unbekannt Das es kam jetzt gerade in den Niederlanden mit einem Wolf, war auch stark in den Medien vertreten. Aber wirklich diese natürliche Rückkehr des Wolfes, der nicht angefüttert wurde, dass es gab keine Gefahr für den es ist kann. Also es muss schon sein, dass wenn man in Wolfsregionen unterwegs ist, dass man seine Hunde angeleint. Also das ist auf jeden Fall schon auch ein was, wo man sein Verhalten wahrscheinlich ändern muss.

00:29:23: Unbekannt Aber in vielen Wäldern und Wildnisgebieten ist es ja auch schon vorher die Pflicht gewesen. Genau. Also ich kann da Menschen beruhigen. Es ist noch nie ein Kind jetzt irgendwie auf dem Schulweg angegriffen worden. Das wird jetzt auch wieder viel, dass Leute Angst haben müssen. Na ja, also ich selber bin auch schon mehrmals Wölfen begegnet und zwar ziemlich nah.

00:29:43: Unbekannt Nicht in Deutschland, sondern in Nordamerika, wo ich früher gelebt und gearbeitet habe und für mich also das war die. Es war immer eine respektvolle Begegnung und ja, also ich habe mich da dran gefreut. Ich hatte keine Angst und wenn dieser Wolf nicht angefüttert wurde, dann ist das auch der wird sich man kann sich glücklich sozusagen schätzen, den überhaupt zu sehen.

00:30:07: Unbekannt Ich glaube auch eher, dass ich eher so in Ehrfurcht erstarren würde. Ja, mir Panik gemacht. Aber es ist. Ich freue mich immer eher, wenn ich was sehe im Wald. Was sind jetzt deine Wünsche für die nahe Zukunft? Für die nahe Zukunft ist, dass dieses Gesetz ist da aber dass es mit Bedacht und mit Verstand und mit Wissenschaftlichkeit und Zusammenarbeit auch umgesetzt wird und zwar rechtskonform.

00:30:34: Unbekannt Also dass es nicht wieder dann in so eine Schlammschlacht enden muss, dass alle Leute, dass das dauernd Gerichtsverfahren angeleiert werden müssen und das kann man vermeiden. Also die Bundesländer können zusammen in Dialogforen, wo auch WWF mit drinne ist, zum Beispiel in in Niedersachsen oder auch in Baden Württemberg oder so, dass wir zusammen mit den Landwirten und Landwirten und anderen Interessensgruppen, die dort vertreten sind, einen guten, eine gute Umsetzung vorantreiben und dass der Wolf weiterhin eine geschützte Art ist in Deutschland, die sich weiterhin ein Daseinsrecht hat und auch in einem guten Erhaltungszustand uns erhalten bleibt.

00:31:14: Unbekannt Also dass wir jetzt nicht die Erfolge der letzten 25 Jahren im Artenschutz und im Wolf, die Rückkehr des Wolfes, dass wir die schnell wieder auslöschen, Das wäre sehr traurig. Dr. Sybille Glänzende Wolfsexpertin beim WWF Deutschland. Vielen, vielen lieben Dank, dass du hier bei mir warst und dass wir miteinander sprechen konnten. Ich finde den Wolfs ist der Wolf ist einfach so ein wahnsinnig faszinierendes Tier.

00:31:36: Unbekannt Ich verlinke euch natürlich einige Sachen noch in den Shownotes und wenn ihr noch Fragen habt, die wir jetzt nicht beantwortet haben, dann schreibt sie entweder gerne in die Spotify Kommentare oder auch per Email an Podcast WWF Punkte. Ich bin eigentlich einer ebenfalls vom WWF Deutschland. Vielen, vielen Dank für das. Ich danke dir bis dahin. Bis dahin.

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