Living Planet – Der WWF Podcast

Living Planet – Der WWF Podcast

Ein Podcast des WWF Deutschland zu Arten- und Naturschutz im 21. Jahrhundert.

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:00: Deswegen heißt das Ganze auch Jahrhundert Hochwasser.

00:00:02: Nun hatten wir in diesem Jahrhundert schon zwei Hochwasser.

00:00:05: Das Jahrhunder hat gerade erst angefangen und ist ein bisschen früh noch!

00:00:10: Wenn wir über Naturschutz sprechen, schauen wir ja gerne in die Ferne der Amazonas, das Kongo-Becken, das Mittelmeer... Aber heute, heute holen wir unseren Blick einmal ganz nah an uns heran.

00:00:22: So nah dass es für viele von uns nur eine Zugfahrt entfernt ist!

00:00:27: Wir schauen zur mittleren Elbe – einen der letzten großen noch weitgehend zusammenhängenden Auenwaldkomplexe Mitteleuropas.

00:00:35: Das ist Living Planet, der WWF-Podcast.

00:00:37: Ich bin einigen Wegner Redakteurin beim WWF Deutschland und zu Gast habe ich meinen Kollegen Florian Karduck.

00:00:42: Er arbeitet als Referent Umweltbildung und Naturschutz mittlerer Elbe für dieses Projekt oder diese Projektregion, ist in der Projektregion aufgewachsen und lebt dort immer noch.

00:00:52: Hallo Florian!

00:00:53: –

00:00:53: Hallo Aline!

00:00:54: Jetzt

00:00:55: habe ich schon gesagt du bist da aufgewachst und du lebst da.

00:00:57: Du arbeitest dort.

00:00:58: wie viel von dieser Projektregion steckt denn in dir?

00:01:02: Na ja, man beschäftigt sich natürlich nicht nur acht Stunden am Tag damit.

00:01:06: Man ist dann auch am Wochenende unterwegs mit der Familie draußen jetzt am Wochenend eine Fahrradtour gemacht und man sieht den Fluss ganz oft in seinem Alltag und das färbt schon so ein bisschen auf einen Ab muss ich sagen Ja.

00:01:20: Nimm uns mal bitte als mich vor allem als Geographie.

00:01:23: Noob bitt mittlere Elbe Dessau Das sind die Schlagwörter, wo befinden wir uns denn?

00:01:31: Na, die Elbe ist glaube ich für ganz viele Menschen in Deutschland ein Begriff.

00:01:35: Um genau zu sein, sind ca.

00:01:36: twenty-fünf Millionen Menschen im Einzugsgebiet der Elbe.

00:01:39: Hängen also mit dem Fluss irgendwie zusammen.

00:01:42: Der kleinere Teil von den tausend Kilometern der Elben startet in Tschechien, im Riesengebirge und zwei Drittel der Elbes fließen dann durch Deutschland, durch mehrere Bundesländer bis sie dann in Cuxhaven in die Nordsee mündelt.

00:01:57: Und die mittlere Elbe das ist sozusagen Der Teil, der macht über fünfhundert Kilometer aus dieser tausend Kilometer.

00:02:05: Das ist der Bereich in der Mitte also nicht der Oberlauf in Tschechien und nicht der Unterlauf Richtung Nordsee sondern der Bereich wo der Fluss gemächlich dahinschreitet.

00:02:15: mehr drehend das vielleicht vielen Leuten einen Begriff.

00:02:18: also er schlägt natürlicherweise Schlingen Also solche Weiten Kurven die dann teilweise sich auch abtrennen vom fluss und kleine Gewässer bilden.

00:02:30: Ja und dieser Bereich liegt in mehreren Bundesländern.

00:02:32: Der WWF, der ist hauptsächlich dort in Sachsen-Anhalt tätig und vor allem im Bereich der Elbe zwischen der Muldermündung also Mulder als einer der größeren Nebenflüsse bei Dessau-Rosslau bis zur Saalemündung die Saale der zweitgrößte Nebenfluss der Elben.

00:02:54: Und was macht diese Landschaft so wertvoll?

00:02:58: Das ganze Ökosystem Fluss ist unglaublich komplex.

00:03:02: Erstmal, wenn ich ganz vorne anfangen darf.

00:03:04: der der fluss ist ein Arzonales ökosysteem.

00:03:09: Ecosystem das kann sich glaube ich jeder noch so ein bisschen vorstellen dass es... Ich erkläre's wenn ich mit Kindern arbeite immer so und das ist wie so ein Haus Und das Ökosesystem hat verschiedene Biotope.

00:03:22: das sind dann die Zimmer und in den Zimmern jetzt Im Kinderzimmer zum Beispiel gibt es dann verschiedene Spielzeuge.

00:03:28: Das sind die kleinen Arten, die in dem Zimmer wohnen.

00:03:32: Jetzt gibt's Ökosysteme, die stehen eben nur in bestimmten Bereichen der Erde wie z.B.

00:03:38: eine Wüste oder die Polaregionen.

00:03:40: Die sind also sehr davon abhängig, wie die äußeren Wetterbedingungen sind.

00:03:45: und dann gibt es eben aktionale Ökostäme, die nicht in einer Zone sind sondern theoretisch überall vorkommen könnten.

00:03:52: Dazu gehören vor allem die Küsten.

00:03:54: Es gibt Küsten überall auf der Welt und eben die Flüsse.

00:03:58: Und die Flüße sind in meiner Philosophie mehr als einfach nur Wasser, was von A nach B getragen wird.

00:04:06: Die Flüsser können immer unterschiedlich aussehen, was jetzt die Farbe des Wassers angeht oder was man um den Fluss herumfindet aber sie haben doch sehr viele Gemeinsamkeiten ob wir uns den Amazonas anschauen.

00:04:22: oder Flüsse jetzt in anderen Teilen der Welt.

00:04:25: und diese Besonderheiten, die gibt es auch an der Elbe.

00:04:32: Gibt's auch an einer Elbe?

00:04:33: Jetzt sagtest du ja gerade, Flüssen befinden überall statt aber warum hat sich der WWF denn entschieden an der ELBE zu arbeiten?

00:04:40: also warum ausgerechnet dort und genau die ELBE?

00:04:43: Ja!

00:04:44: Der WWF ist an der mittleren ELBE seit ungefähr dreißig Jahren

00:04:49: aktiv.

00:04:49: Wahnsinn.

00:04:51: Und wir haben in dreißig Jahren, das war natürlich nicht alles neu ich.

00:04:54: Das ist ein ganz engagiertes Team gewesen die schon vor dem Jahr zweitausend sich überlegt hat Wir wollen hier etwas schaffen.

00:05:02: Vor allem auch natürlich in dem ostdeutschen Teil Deutschlands wo es viele Naturschutzprojekte gibt.

00:05:09: Das hat ich sagen mal ganz, ganz grob zusammengefasst.

00:05:12: Vor allem den Grund dass dort eben viel noch möglich war und die Landschaft noch nicht so festgelegt war nach der Wende.

00:05:20: da hat sich viel bewegt es gab einfach noch ein bisschen mehr Raum auch politisch nach der wende Und der WWF hatte schon früh die Idee an der Elbe was zu machen und hat dann ja um twohneinzehn neunzig drei Neunzig angefangen erste Magdeburg Und sind dann irgendwann nach Dessau gewechselt, beziehungsweise erst in den Löderitzer Forst.

00:05:41: Da ging das große Projekt los – das Naturschutzgroßprojekt «Mittlere Elbe».

00:05:47: Man hört schon am Namen, es ist ein Großprojekt!

00:05:49: Das waren die ersten Ideen, dass es so einen Volumen von zwei Millionen Euro hat.

00:05:56: Am Ende sind es dann dreißig Millionen Euro geworden und siebzehn Jahre.

00:06:01: Nach siebzehn Jahren war einiges geschafft, also über einhundertzwanzig verschiedene Maßnahmen und die größte Naturschutzmaßnahme des WWF Deutschland in Deutschland bis heute.

00:06:13: Die Deichrückverlegung im Löderitz-Erforst Und das ist auch bis heute die größtedeichrückt Verlegung, die wir in Deutschland gesehen haben und auf dieses Projekt sind mittlerweile acht Projekte gefolgt und insgesamt haben wir an der Elbe dort mehr als fünfzig Millionen Euro in den Naturschutz investiert.

00:06:34: Deichrückverlegung, ich glaube du musst für paar Leute das nochmal ein bisschen erklären.

00:06:37: was macht man da genau?

00:06:40: Ja also ein Deich, dass ist glaube ich dem meisten Leuten einen Begriff links und rechts des Flusses und die entscheidende Variable ist so die Entfernung zum Fluss.

00:06:51: Also man kann ein Dech direkt am Fluss bauen dann kann man schön sich den Fluss anschauen wenn man auf dem Deich unterwegs ist und man kann ihn auch drei Kilometer weit wegbauen und sieht den Fluss nicht, wenn man auf dem Deich unterwegs ist.

00:07:03: Das

00:07:04: gilt dann noch als Deich?

00:07:05: Ja na klar!

00:07:06: Also ein Deich ist sozusagen die Aufgabe der Hochwasserschutz.

00:07:11: also wir wollen das Hochwasser von den menschlichen Siedlungen entfernhalten.

00:07:14: Das hat oberste Priorität.

00:07:16: Die menschliche Gesundheit muss geschützt werden.

00:07:19: Das funktioniert nur mit modernen Deichanlagen und modern sage ich deshalb weil Deiche natürlich eine uralte Geschichte haben.

00:07:30: Also wir haben slavische Ringenborgen zum Beispiel, die wurden auch schon mit Deichen gesichert bei uns.

00:07:37: Die sind mehrere hundert Jahre alt.

00:07:39: das hat natürlich der Mensch schon immer gerne gemacht zu buddeln und dann Deich zubauen.

00:07:45: Und heute möchte da natürlich im Hochwasserfall zum Beispiel auch mal ein Auto drüber fahren über bestimmte Bereiche.

00:07:51: Da gibt es dann so Deich-Verteidigungswege und solche Geschichten.

00:07:54: Das muss alles vom TÜV abgenommen sein dien genormt.

00:07:58: Und wir haben einen alten Deich sozusagen gehabt, der ist mitten durch ein Waldstück durchgegangen und war relativ nah am Fluss.

00:08:06: Wir haben dann sehr viel Arbeitflächen gekauft – Landwirtschaftsflächen in der Regel, Ackerflächen – und haben dort einen neuen Deich konzipiert.

00:08:16: Der ist sieben Komma sechs Kilometer lang und ist nunmehr etwa drei Kilometer vom Fluss entfernt.

00:08:23: Und wir haben den alten Deich kaputt gemacht.

00:08:27: Nicht auf der ganzen Länge, sondern ich glaube so an dreizehn Stellen ist er geschlitzt worden.

00:08:32: da ist man sozusagen runter gegangen hat die Masse entfernt die Erdmassen und hat eine Öffnung geschaffen wo der Fluss im Hochwasserfall wieder durch kann.

00:08:41: also nicht der normale Fluss fließt jetzt auch durch dem Wald Sondern im Hochwasserfall kann dort das Wasser wieder durch und geht in die Fläche dahinter, in den Wald.

00:08:51: Der wieder an den Fluss angeschlossen ist.

00:08:53: Warum ist das so wichtig?

00:08:54: Das ist meine Frage.

00:08:55: weg!

00:08:56: Ja schön!

00:08:58: Der Fluss braucht Raum, der braucht die Dynamik.

00:09:02: Und wenn wir über die Fluss-Aue reden dann ist es ein zweigeteiltes Wort und neben dem Fluss eben auch die Aue.

00:09:10: Die Aue, dass ist eigentlich das Ökosystem oder der Teil des Ökostemens, die so die ganzen Arten mitbringen.

00:09:16: Wir haben da den Wald Auenwälder, da gibt es groß hoch liegende Auen-Wälde mit Eiche, Esche und Ulmen.

00:09:23: Das ist die Hartholzaur.

00:09:25: Dann haben wir Wälda auch ganz nah am Fluss liegen aus Weiden und Pappeln das ist die Weichholzaur wie beide kennt man ja auch mit weichen Hölzern.

00:09:35: dann haben wir natürlich Auen wiesen die wechselfeucht sind.

00:09:38: also sie können sowohl unter Wasser stehen wenn im Frühjahr Hochwasser kommt und Sie können im Sommer extrem trocken sein.

00:09:44: das bringt ganz viele verschiedene Arten mit.

00:09:47: Dann haben wir natürlich auch Gewässer.

00:09:49: Sehen, Altgewässer die früher mal Teil des Flusses waren ja und all diese Ökosysteme die haben eins gemeinsam Die hängen sozusagen mit wechselnden Wasserständen mit, die hängen mit dem fluss zusammen diesen teil dieses hausfluss auch.

00:10:05: Wenn man da jetzt ein Deich durchbaut dann ist das so ein bisschen als hätte Man einen zwei etageiges Haus und würde die treppe rausnehmen.

00:10:13: dann existieren Dieser Zimmer quasi noch im Obergeschoss, aber man kümmert sich nicht mehr drum.

00:10:19: Und die Arten können auch nicht mehr runter in die Küche kommen.

00:10:23: Also das vertrocknet

00:10:24: dann halt auch.

00:10:24: oder verstehe ich jetzt richtig?

00:10:26: Ja es kommt genau, sie sehen zum Beispiel die Verlanden.

00:10:29: also da wachsen dann Gebüsche Bäume am Rand des Ufers und nehmen so jedes Jahr ein Stückchen Gewässer mit.

00:10:37: Die Wälder trocknen aus, die Auenwesen verlieren wichtige Arten.

00:10:41: Und wir haben es dann geschafft mit der Deichrückverlegung im Löderitzer Forst das ... ... dass ... ... sechshundert Hektar wieder an den Fluss angebunden werden.

00:10:49: Sechshunderte Hektare kann man jetzt wahrscheinlich wenig mit Anfang dieser historisch wirkenden Flächengröße...

00:10:57: Hast du das in Fußballfeldern vielleicht?

00:10:59: Oder in Saarländern?

00:11:00: ja!

00:11:01: Also ein Hektär sind hundert mal hundert Meter und Ich habe mir das mal umgerechnet.

00:11:07: Also, sechshundert Hektars ist so ungefähr das Doppelte vom Central Park zum Beispiel in New York also eine Fläche die schon beachtlich ist.

00:11:16: Ja auf jeden Fall!

00:11:18: So jetzt ist es natürlich eine große Baumaßnahme.

00:11:21: wir sind auch die einzige NGO in Deutschland meiner Recherche nach, die ein Deich besitzt eigentlich... Eigentlich isst einen Deich oder ich sag mal der.

00:11:31: die Sicherheit Hochwasserschutz Die Aufgabe der Regierung, ja.

00:11:36: Der Bundesländer in dem Fall und wir machen das auch nicht alleine.

00:11:40: Wir haben das sozusagen mit dem Landesamt für Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt umgesetzt.

00:11:44: es war eine sehr lange Arbeit.

00:11:46: ich sage mal am Ende ist etwas entstanden.

00:11:48: Das hat vor allem dazu angeregt dass an anderen Orten was gleiches gemacht wird Dass sozusagen weitere Deichrückverlegung stattgefunden haben Und wie so eine Art Leuchtturm fungiert haben gezeigt.

00:12:00: Es geht also Es ist sehr viel Arbeit, es kostet Geld.

00:12:04: Wir hatten Archäologie, es gibt da Fundmonition und all solche Geschichten.

00:12:08: ganz viel Spaß.

00:12:09: Stimmt

00:12:10: ja!

00:12:11: Baumaßnahmen mit Baustraßen und so das ist auch nicht immer für jeden Naturschützer angenehm wenn man da Bagger hin fährt und solche Geschichte.

00:12:19: Das war viel Arbeit aber am Ende des Tages hat sich's aus meiner Sicht absolut gelohnt weil wir haben wieder wirklich mal was verändert was was hoffentlich auch in hundert Jahren noch so sein wird.

00:12:29: Aber wurdet ihr da irgendwie für Beratung ran gezogen, mit euch zusammengearbeitet?

00:12:35: Weil ihr eben als Leuchtturmprojektar seid.

00:12:37: Dann will man ja auch euer Wissen und eure Expertive irgendwie anzupfen!

00:12:41: Ja, also das niederländische Königspart zum Beispiel war da... Wir hatten einen Besuch aus Asien eigentlich aus der Großteil der Welt der Forschung aus Europa die irgendwas mit Gewässern zu tun haben oder mit Auen auch.

00:12:55: Also das ist jedes Jahr ... ein großes Thema gewesen.

00:13:00: Jetzt flacht es langsam ab, weil das Projekt ... ... im Jahr zwei Tausend neunzehnt schon abgeschlossen wurde und wir jetzt noch ganz viele andere neue Projekte natürlich anbringen.

00:13:09: Aber für mich wichtigste ist eigentlich die Menschen vor Ort.

00:13:13: Es ist wichtig einen Beitrag zur Fachwelt zu leisten... ...und auch zur Wissenschaft beizutragen.

00:13:19: keine Frage aber dieser ökologische Hochwasserschutz so nennen wir das immer der is Aus meiner Sicht auch wichtig für die Menschen vor Ort, denn wenn wir jetzt eine extrem hohe Wasser haben, was wir im Jahr zwei-tausendzwei und zwei-tausendtreizehn bei uns in Sachsen-Anhalt hatten.

00:13:36: Wo der Fluss nicht mehr einen Meter Wasserstand hat sondern sieben Meter Wasserstand.

00:13:42: Das ist

00:13:42: ein kleiner Unterschied ja?

00:13:43: Es ist ein

00:13:44: ganz großer Unterschied!

00:13:46: In so einem Fall kann man sagen dass der Wasserstand immerhin dreinundzwanzig vierundzwansicht Zentimeter weiter unten ist nur durch unsere Maßnahme an der dort andingenden Stadt Agen Das heißt, dreiundzwanzig Zentimeter.

00:14:00: Das klingt jetzt erstmal nicht viel.

00:14:02: ich habe selber die Jahrhundert Hochwasser dort miterlebt und hab auch Sandsäcke geschleppt am Deich.

00:14:07: Dreiundzwanzig Zentimeter das können eben zwei reinen Sandsänke sein.

00:14:11: im Extremfall ist das durchaus signifikant für die Leute dort vor Ort Die wissen wir haben jetzt nicht mehr so einen Zwei-Dreihundert Jahre alten Deich dort mit einem Wald sondern ein Deich der funktioniert Der auch höher ist als der alte der modern gebautes Und dahinter hat die Natur einfach Platz bekommen.

00:14:29: Das ist das, was ich heute so mitgebracht habe an Botschaft.

00:14:33: Natur und Mensch, das funktioniert auch zusammen.

00:14:36: Es gibt Lösungen, die für beide vorteilhaft sind in den allermeisten Fällen.

00:14:43: Jeder muss Einschnitte machen, es ist nicht das perfekte Naturerlebnis da... ...und der Mensch musste da in dem Fall jetzt zum Beispiel Ackerflächen aufgeben.

00:14:51: Genau!

00:14:51: Das hätte mich natürlich gefragt, weil ich... Ich lebe zwar jetzt in Berlin, aber ich bin auf dem Land groß geworden.

00:14:57: Viele von meinen Freunden lebten halt auf Bauernhöfen.

00:15:00: Ackerland ist da ja ... naja, das ist Lebensgrundlage daraus!

00:15:05: Die geben es wahrscheinlich auch nicht so, klar könnt ihr das haben?

00:15:07: Gebt mir ein bisschen Geld dafür und dafür kann ich weniger Sachen anbauen.

00:15:11: Ich kann mir vorstellen, dass hat ziemlich viele Hürden auf jeden Fall zugekommen sind oder?

00:15:14: Ja

00:15:15: also wir reden ja auch vor einer Zeit zwei tausendzwei wo das ganze Thema noch ganz am Anfang stand.

00:15:23: Wir haben relativ schnell gemerkt, so auf Öffentlichkeitsveranstaltungen.

00:15:29: Jetzt da schenken wir einfach auch kein Alkohol mehr aus weil man muss sich wirklich überlegen strukturiert und ordentlich vorgehen.

00:15:35: Man hat ja sehr viele Erlebnisse gemacht die auch einen als Mitarbeiter prägen sag ich mal in dem Projekt.

00:15:42: Da ist dann quasi das Sprachrohr für ein Thema was emotional aufgewirbelt werden kann.

00:15:50: Wer am Anfang zugehört hat, gehört.

00:15:52: Ich bin Referent auch für Umweltbildung.

00:15:54: Das heißt, für mich geht es immer darum, Sensitivisieren begeistern, schützen, bewahren... das ist alles ein Thema zusammen!

00:16:03: Es geht nicht dort einfach hinzukommen und den Bagger rauszuholen.

00:16:07: man muss mit dem Menschen vor Ort zusammenarbeiten Und das ist auch einer der Gründe warum das Projekt siebzehn Jahre gedauert hat weil man natürlich Überzeugungsarbeit leisten muss.

00:16:16: Das heißt, die Landwirte haben natürlich Entschädigungszahlungen bekommen.

00:16:20: Wir haben die Flächen abgekauft und nicht einfach weggenommen.

00:16:23: Wir hatten Alternativflächen rausgesucht, wir haben uns mit jedem Landwirt hingesetzt und eine Lösung gesucht.

00:16:27: Und das war manchmal unangenehm ja.

00:16:30: Na klar!

00:16:32: Aber am Ende finde ich ist alles fair gelaufen und es muss jetzt auch keinen Betrieb wegen uns zumachen oder solche Sachen.

00:16:40: Die Landwirten wohnen ja auch alle vor Ort.

00:16:42: Die haben sozusagen auch etwas dafür bekommen, dass dort jetzt ein sicherer Deich vor ihrer Haustür steht.

00:16:47: Wie ist denn da der Rückhalt von der nicht landwirtschaftlichen Bevölkerung zu dem Deich?

00:16:52: Waren die da alle mit vollem Ordnung?

00:16:54: war das alles so?

00:16:55: ja dann haben wir jetzt einen modernen Deich.

00:16:58: Naja ich sag mal es ist schon ein Vorteil wenn man auf einer Bühne gemeinsam steht und nicht nur alleine als NGO, sondern in dem Fall das Landesamt für Hochwasserschutz dabei hat.

00:17:09: Da hat man dann wasserbauliche Ingenieure.

00:17:12: die können tausendmal verlässlicher erklären, wie so ein Deich funktioniert und wieder aufgebaut ist.

00:17:18: Weil da gibt es ganz viele Fragen.

00:17:19: dann gibt's auch ganz viel Interesse zum Thema Archäologie

00:17:22: z.B.,

00:17:23: wir haben Führungen gemacht in jeder Bauphase.

00:17:26: also der Deich wurde so einen vier einzelnen Abschnitten gebaut.

00:17:31: Da haben wir dann Führung an den Baustellen auch gemacht Sachen erklärt gezeigt Und jetzt In den letzten Jahren.

00:17:39: Also man muss auch ehrlicherweise dazu sagen das kostet natürlich alles Geld auch Öffentlichkeitsarbeit.

00:17:45: Und das Naturschutzgroßprojekt war ein Förderprojekt gefördert, sowohl vom Land Sachsen-Anhalt als auch vom Bund mit Eigenmitteln des WWF und da waren am Anfang gar nicht so viel Geld eingeplant für Öffentlicheitsarbeit oder für Umweltbildung gar kein Geld.

00:18:00: Das ist jetzt auch ein Erkenntnisprozess gewesen dass man sagt man muss mit den Menschen vor Ort auch Aufklärungsarbeit leisten, man muss sie mitnehmen.

00:18:09: Das es einen ganz ganz wichtiger Faktor um Naturschutz auch lang und nachhaltig zu sichern.

00:18:15: Weil die größte Gefahr, also wie sagt man denn das wir nicht in fünfzig Jahren da stehen und der gleich zurückgebaut wird nur weil die Leute keine Lust mehr darauf haben?

00:18:25: Also die größste Sicherung für die Natur ist es vor Ort den Menschen klarzumachen was das für eine Bedeutung hat.

00:18:34: Und das fühlt mich...also das sage ich jetzt auch als jemand der dort selber wohnt finde ich total wichtig, dass man da einfach transparent und offen ist.

00:18:44: Ich sage mal das was sich ja Deutschland in der AHUS-Konvention zusammen mit den anderen europäischen Ländern vorgenommen hat zu sagen öffentliche Transparenz auch bei solchen Projekten.

00:18:53: Es geht sofort da, dass du eben wohnst.

00:18:55: Hast du denn wenn du jetzt mal zurückblickst von der Kindheit bis jetzt, dass sich die Wahrnehmung unter Umgang mit dieser Ökoregion verändert

00:19:06: hat?

00:19:06: Die größte... Bewegungen hat man glaube ich tatsächlich während solcher Krisensituationen wie einem Jahrhundert Hochwasser.

00:19:15: Da ist das Thema auf einmal Omnipräsent, ansonsten muss sich schon leider feststellen die meisten Leute trennen sich mental vom Fluss.

00:19:25: und das sage ich als Bewohner von Dessau-Rosslau, die eine Stadt an zwei großen Flüssen ist, die auch teilweise durchs Stadtgebiet laufen.

00:19:33: Jeder hat aber Erinnerung jeder is gerne am fluss unterwegs Aber am Ende des Tages denkt man da nicht so viel über den acht glaub ich im Alltag leider.

00:19:40: Ich bin auch selber vielen Schulen dort in der Region unterwegs und versuche zum Beispiel auch die Lehrplan zu ergänzen, das ist dann.

00:19:46: in der zweiten Klasse hat man bei uns in Sachsen-Anhalt so typischerweise das Thema Wald und dann geht es um die Kiefer, die Lärche, die Fichte Alles wichtige Baumarten.

00:19:59: Aber so direkt am Fluss sind das nicht die Baumarten, die da so vorkommen.

00:20:03: und dann komme ich und erzähle mal von Aschen was die Aschen auch für eine Bedeutung früher hatten.

00:20:09: Man kennt jetzt vielleicht wie Erwachsene wissen viele Werkzeug So vom Hammer oder sowas Die Stiele.

00:20:16: Das wird alles aus Aschenholz hergestellt Und wir haben früher ganz viel Aschen exportiert und genutzt aus unseren Wäldern.

00:20:23: Das ist einfach ja Teil auch unserer Heimat.

00:20:26: solche Arten Einmal botanische Arten, aber auch der Biber.

00:20:30: Der Seeadler Die Wildkatze das sind Arten die sind auch im Lehrplan einfach nicht verhanden.

00:20:36: und da gehe ich hin und erzähle Geschichten dazu zeig auch Videos von unseren Wildkameras Erzähl was die Bedrohungslage der Arten ist Was man dagegen machen kann Und das finde ich total wichtig dass das einfach auch vor Ort erzählt wird.

00:20:51: Also man würde jetzt zum Beispiel auch nicht nach Bayern gehen und dort die Kegelroppe vorstellen, nur weil es im Lehrplan so drinnen steht!

00:21:00: Und weil sie süß ist?

00:21:02: Ja... Aber du sagtest gerade schon Seeatla ist ein gutes Stichwort, weil ich häufig gelesen habe, Seeatler sind die Light-Art Flagship Species für die Region.

00:21:14: Wieso was halt warum?

00:21:15: Warum ist der Seeatlas so Präsenz?

00:21:18: Ja, also der Seeartler ist eine der der Flagship Arten zusammen mit dem Biber würde ich sagen.

00:21:25: Ich sage mal dieses Konzept der der Flagship Species das hat ja immer damit zu tun dass man sich eine Art herauspickt und versucht das ganze Problem daran festzumachen.

00:21:38: und es geht beim Seeartlein eigentlich ganz gut weil er ich sag mal der größte Greifvogel bei uns ist.

00:21:46: Er ist sehr, sehr beeindruckend wenn man ihn bei uns fliegen sieht.

00:21:49: an der Elbe kommt auch in vielen anderen Bereichen Deutschlands vor vor allem im Osten.

00:21:55: In der Uckermark sieht man ihn oft.

00:21:57: auch Richtung Ostsee gibt es große Kolonien.

00:21:59: aber ich finde ihn eigentlich schön weil man immer wenn man bei uns im Wald unterwegs ist dann kriegt man ihn zwischendurch mal so zu sehen und wundert sich, was ist das eigentlich für ein Riesentier?

00:22:11: Also ich glaube zwei Meter vierzig hat er in der Flügel spannenweite.

00:22:15: Wahnsinn!

00:22:15: Kann man sich nicht vorstellen.

00:22:17: Und der Seeadler der Brauch im wesentlichen Braucher eigentlich einen guten großen alten Baum wo er sein Horst bauen kann und natürlich Nahrung.

00:22:26: Seehadler, da steckt ja schon das Wort See drinnen.

00:22:29: Ist jetzt kein Flussadler aber trotzdem führt er sich in einer Flusslandschaft sehr wohl weil ich habe ja vorhin schon von den Gewässern gesprochen die wir haben.

00:22:37: Die Elbe hat.

00:22:38: noch vor hundert hundert dreißig Jahren war sie eigentlich der fischreichste fluss Europas.

00:22:44: Da hat man Mengen rausgezogen Ich glaube ich mal was gehört zu haben von sechshundert Kilo pro Hektar Fluss rausgeangelt worden.

00:22:54: Das kann man sich nicht vorstellen, wir hatten ja auch sehr viele wandende Arten wie jetzt den Stör zum Beispiel.

00:23:00: das ist alles Futter für den Seeatler und Jetzt ist der Stör nicht so die attraktivste Art wenn man die Gesellschaft fragt und auch über Fische im generellen wird da selten geredet aber sowohl Vögel als auch natürlich Säugetiere oder wie der Panda bei uns beim WWF.

00:23:17: Die sind halt einfach für die meisten Menschen Interessant anzuschauen.

00:23:22: und wenn ich den Seeatler schütze, dann kümmere ich mich darum dass die Gewässer erhalten bleiben.

00:23:27: Ich kümmer mich darum das die großen alten Bäume ungeschützt stehen bleiben.

00:23:31: so ist es bei unseren Wäldern.

00:23:33: wir haben in der mittleren Elbe ungefähr fünf sechs siebenhundert Hektar Wald in unserem Eigentum wo wir eine Kernzone eingerichtet haben also eine Zone unter anderem der Seeadler in Ruhe gelassen wird, wo wir keine Forstwirtschaft haben oder reingehen und dort Holz ernten.

00:23:50: Das findet alles da nicht mehr

00:23:51: statt.".

00:23:52: Also wird komplett ursprünglich gelassen?

00:23:53: Es wird einfach so ein bisschen Anführungszeichen sich selber überlassen damit es wirklich verwildert

00:23:58: Genau.

00:24:00: Wir haben einen Radweg, der da durchführt, dass man das Gebiet auch kennenlernen kann.

00:24:04: relativ am Rand führt erlang und an diesem Radweg muss ich natürlich aufpassen, dass da kein Baum runter fällt auf dem Radweg.

00:24:13: Der muss natürlich sicher sein,

00:24:14: d.h.,

00:24:15: da gehe ich ab und an im Winter rein und fälle einzelne Bäume oder lass einzelne Bäume fallen.

00:24:20: die werden aber dann an den Weg an den Rand geräumt.

00:24:24: Die Seeatler fühlen sich da sehr wohl.

00:24:28: Da habe ich am Ende ein Wald geschaffen, der hat diesen einen Baum für den Seeatler und er hat darunter natürlich noch tausende andere Arten.

00:24:36: Also wenn ich die Eiche schütze für den seeatler dann schütte ich so pimal daum zwei tausend weitere arten die an der eiche wohnen können.

00:24:45: Da ist der Hirschkäfer, da ist der Heldbock Großkäferarten, dann haben wir Spechte.

00:24:51: Schwarzspecht, mittelspecht, grünen specht, buntspecht... Viele Spechte!

00:24:55: Ganz viele Spechtarten.

00:24:56: Wir haben unten im Gebüsch im Wald die Wildkatze rumziehen, die da ihre Jungen aufzieht.

00:25:02: Es ist also ein Biotop was in dem Fall durch den Schutz des Seatlers auch möglich gemacht wurde.

00:25:10: Wahnsinn.

00:25:11: Jetzt mal eine ganz praktische Frage, weil du sagtest gerade schon ab und zu sieht man den.

00:25:14: Was ist denn so ne gute Zeit um so ein Seeadler mal zu spotten?

00:25:18: Weil ich würde das super gerne mal sehen!

00:25:20: Also im Gegensatz zum Fischadler, den es bei uns an der mittleren Elbe auch gibt, ist der Seeadl das ganze Jahr über da also gibt ja Zugvögel, das ist ja bekannt.

00:25:31: Der Fisch Adler ist so einer, der uns dann auch einmal verlässt.

00:25:36: Den könnte man theoretisch das ganze Jahr übersehen.

00:25:38: Jetzt gerade sind sie noch am Brüten, also jetzt Richtung Ende April-Mai sind dann die kleinen Jungen da, die aufgezogen werden.

00:25:48: Da sieht man die nicht so oft am Himmel wenn Sie brüten logischerweise weil sie dann beschäftigt sind ja immer sitzen.

00:25:55: Ansonsten sind hier eigentlich ab morgens unterwegs.

00:25:58: Also es gibt keine bestimmte Tageszeit außer wir haben vierzig Grad Dann fliegen sich glaube ich nicht so viel rum.

00:26:05: dann ruhen die sich auch aus, wie wir alle uns das irgendwie machen.

00:26:08: Dann lass'n's doch mal Richtung... Das ist auch schon voll ein bisschen angekündigt.

00:26:11: Kamerafallen, Monitoring!

00:26:13: Da ist nämlich auch ganz viel passiert in jüngster Vergangenheit.

00:26:17: Wir reden jetzt mal nicht über dreißig Jahre sondern KI-Bilder, Kamerafallen.

00:26:21: Was genau ist da jetzt los?

00:26:23: Da muss ich trotzdem zehn Jahre zurückgehen.

00:26:24: Ist in Ordnung sind trotzdem wieder dreizig Jahre.

00:26:27: Weil vor zehn Jahren haben wir angefangen mit Kamerafein zu arbeiten.

00:26:31: Ich glaube viele Leute kennen die schon.

00:26:33: Das ist ein Gerät, eine Kamera, die mit einem Sensor verbunden ist.

00:26:38: Mittlerweile ist es relativ verbreitet.

00:26:40: auch wenn man sich einen Garten geholt hat oder sowas und mal wissen möchte was ist da unterwegs dann hängt man sich so eine Kamera hin.

00:26:46: Wenn da ein Tier lang läuft dann löst sie aus und kann entweder ein Foto machen oder man kann auch einstellen dass ihr eben ein Video startet und nach zehn Sekunden automatisch beendet.

00:26:57: Die haben wir seit zehn Jahren im Gebiet haben sozusagen unsere Wälder genommen und ich muss auch ehrlicherweise sagen, es ist so viel Todholz mittlerweile in den Wälden dadurch dass wir da kein Holz mehr entfernen.

00:27:10: Und natürlich auch Bäume absterben.

00:27:12: Da kann man nicht mehr durchgehen Auch eine Fläche von sechshundert Hektar.

00:27:16: die kann man Nicht alles im Blick haben So wie man sich das jetzt vielleicht vorstellt Dass man genau weiß wieviel Rehe Wie viele Wildschweine sind da Jetzt?

00:27:24: Ne Wir überlassen Das Sich Selbst haben uns dafür bewusst entschieden und das bedeutet, wir müssen trotzdem hinschauen wie entwickelt sich das eigentlich.

00:27:34: Also was ist denn das jetzt?

00:27:36: Ist es ja auch eine Naturschutzmaßnahme zu sagen man macht nichts ob das erfolgreich ist oder nicht.

00:27:41: das muss dann überprüft werden.

00:27:43: ein Mittel dafür wären auch oder sind auch Kamerafallen dass man zumindest die Säugetiere sich anschaut ...idee war eigentlich ganz gut.

00:27:53: und dann sind man irgendwann, wenn man sich die Kameras wieder reinholt... ...und sich dann die SD-Karten anschaut kommt.

00:27:58: Man zu der Erkenntnis, oh verdammt!

00:28:00: Die nehmen echt viele Videos auf.

00:28:01: Ja klar, sie reagieren ja auf Bewegung ne?

00:28:05: Das heißt, wenn Grashalm wackelt oder ein Blatt runter fällt wird oft geszeichnet.

00:28:09: Ganz genau.

00:28:10: Dann geht's los.

00:28:11: Und wenn ich die jetzt im März raushänge, die Kamera,... ...dann hängt die zwei Monate, dann ist April... Mai, da regnet es echt viel und dann wächst auch echt viel.

00:28:20: Und dann wäxt auch mal ein Grasheim so vor der Kamera die ich da eigentlich gar nicht gesehen habe als

00:28:25: ich im März noch... Gerade beim Wachsen zu

00:28:26: schauen!

00:28:27: Genau.

00:28:28: und dann hab' ich sozusagen nach zwei Monaten.

00:28:30: zwei, drei tausend Videos sind natürlich nicht alle spannend und da will ich wissen, welches jetzt die spannenden Videos sind.

00:28:38: Und da war es lange Zeit so dass man die dann so mehr oder weniger überflogen hat sich dadurch geklickt hat und das war sehr viel sinnlose Arbeitszeit, die dann auch verloren gegangen ist und viele Erkenntnisse, die auf der Strecke geblieben sind.

00:28:51: ja und wir haben gesagt Ja, man kann hier auch mal für was Positives einsetzen und haben ein bereits vorhandenes KI-Modell von der Uni Marburg genommen.

00:29:02: Und haben erst mal mit einem Detektor bestimmen lassen, ist da überhaupt ein Tier zu sehen oder war das jetzt eine Pflanze?

00:29:11: Im zweiten Schritt hat uns das Modell gesagt welches Tier das ist.

00:29:14: Klappt nicht immer bei jedem Tier.

00:29:16: ... ein Jagdversand zum Beispiel kennt das Modell nicht.

00:29:19: Da hat es dann immer eine Habicht rausgemacht, geht alles.

00:29:23: Aber zumindest

00:29:23: schon mal Tier erkannt?

00:29:24: Das ist ja schonmal was wert!

00:29:25: Und ganz viele Arten kann es auch gut erkennen so wie Reh, Waschbär, Wildschwein und solche Klassiker... ...das habe ich am Ende zusammen mit dem Fraunhofer-Institut aus Immenau entwickeln lassen Und das können wir jetzt benutzen als WWF dort im Flächenmanagement.

00:29:42: Also wenn wir rausgehen, können wir sozusagen auf einer Karte vermerken wo sind die Wildkameras und ich kann da schauen in meiner Anwendung zu Hause welche Kamera hat wann welches Tier aufgenommen?

00:29:54: Dann kann ich natürlich schauen... Die Wildkatze war jetzt an Kamera eins vier Wochen lang und dann an Kamera zwei war sie vier Wochen danach.

00:30:02: und dann frage ich mich warum?

00:30:04: Warum ist sie jetzt nicht mehr bei Kamera eins?

00:30:07: Und dann ja, keine Ahnung.

00:30:09: Wahrscheinlich ist irgendwie die Mäusepopulation leer gefuttert und die Wildkatze zieht weiter oder sie zieht woanders hin um ihre Jungen aufzuziehen.

00:30:16: Bei der Wildkatzer... Die ist deswegen sehr interessant weil sie ein sehr ungestörtes Habitat braucht also wirklich einen Wald ohne Radweg in dem Fall.

00:30:27: auch hat sie sich einen Waldstück ausgesucht und Sie möchte auch mal wechseln zwischen den Waldstücken Und da sind Wiesen und da haben wir dann zum Beispiel Korridore erkannt, wo man eine Hecke pflanzt.

00:30:40: Und solche Geschichten um das zu ermöglichen dass sie da auch unbeschadet solche größeren Entfernungen überbrücken kann.

00:30:48: Also in Anführungszeichen greift ihr schon ein im Sinn?

00:30:50: Dass die dann unterstützt.

00:30:52: Die Umgebung

00:30:53: ja aber nicht im Wald sondern sozusagen die Umgebungen.

00:30:56: Ja

00:30:57: Okay okay jetzt habe ich es gut.

00:30:59: also auf den Wiesen zum Beispiel Wir machen ganz viele Sachen.

00:31:03: Wir gehen zum Beispiel jetzt gerade mit einem großen Konzept in die Wiesen und schauen uns an, was ist da eigentlich noch da?

00:31:11: An Arten.

00:31:12: Und wie können wir das wieder ausbringen?

00:31:14: Zum Beispiel auch mit dem Thema Beweidung.

00:31:16: also wir haben einen ganz tollen Schäfer da draußen der uns dabei unterstützt und wir machen so ein beweidungskonzept wo eine Trasse entlang beweidet wird und die scharfe dann die Samen von einer sehr wertvollen Fläche in ihrem Fell und in ihren Hufen mitnehmen, dadurch dass sie dort unterwegs waren.

00:31:36: Und dann werden Sie auf eine Fläche gebracht die nicht so toll ist, die nicht schöne Pflanzen hat und da lassen sich die Samen natürlich automatisch fallen.

00:31:44: uns kostet das dann in dem Fall nichts aber es bringt einen sehr großen Vorteil und das wurde früher überall gemacht.

00:31:51: an der Elbe in unserer Region war es mal eine Million Schafe die unterwegs waren.

00:31:56: jetzt haben wir vielleicht noch zwanzig tausend im gleichen Raum weil Beweidung einfach nicht mehr so zeitgemäß ist und sich die Landnutzung auch geändert hat.

00:32:05: Okay, spannend!

00:32:07: Was passiert denn jetzt aktuell?

00:32:08: Wir hatten ja vorhin schon, sag' es du, Projekt endete im Jahr zwei Tausend Neunzehn.

00:32:11: Jetzt hast Du ein paar Beispiele gehört – was passiert jetzt aktuell bei Euch?

00:32:14: Also generell haben wir Eigentumsflächen, die immer Arbeit vorsachen und das Potenzial haben, aufgewertet zu werden.

00:32:23: Wir kaufen Flächen und die sind meistens in einem sehr naturfernen Zustand Renaturieren sie.

00:32:31: Das heißt, wir haben sozusagen bei den Wiesen verschiedene Ideen.

00:32:35: Wir haben auch Kiefern, Monokulturen die wir gekauft haben, die wir umwandeln, wo wir die Kiefer entnehmen und dann laupen Mischwälderpflanzen zum Beispiel.

00:32:46: Wir habe jetzt gerade ein großes Förderprojekt seit zwei Jahren laufen.

00:32:51: das nennt sich Blausband Deutschland.

00:32:53: Dieses versteht sozusagen die großen Wasserstraßen als ein blaues Band.

00:32:58: Du musst dir dieses blaue Band wie so eine Perlenkette vorstellen und Momentan ist es so, dass diese Perlen das sind die einzelnen Räume um den Fluss herum.

00:33:09: Wie der Löderitzer Forst zum Beispiel oder ein anderes Gebiet sag ich mal wo man diesen Bilder zusammen hat mit dem fluss verbunden sind.

00:33:17: Das sind kleine Perlen Und die sind nur dadurch verbunden Dass der Fluss dahin durchfließt und Die Federn sich quasi auf auf diese perlen Kette Stück für Stück Und das Ziel ist es, diese Perlen Stück für Stück aufzuwerten und wieder mehr davon zu machen.

00:33:33: Dass die Arten entlang des Flusses auch wandern können miteinander verbunden sind.

00:33:40: Wir haben dort bei Dessau-Roslau in diesem blauen Bandprojekt eine Perle, die wir wieder verbessern – ein großes Projekt mit einem Volumen von acht Millionen Euro, wo wir zum Beispiel uns eine alte Flutrinnen nehmen.

00:33:57: Das ist ein Verlauf sozusagen des Flusses, der zeitweise genutzt wurde.

00:34:04: Aber schon lange mittlerweile trocken liegt weil er zu hoch liegt für die Elbe.

00:34:08: das Wasser kommt dort nicht mehr durch Da gehen wir auch wieder mit dem Bagger ran Gehen in die Erde rein und ein bisschen tiefer Ein bisschen ist gut.

00:34:17: ich glaube es werden jetzt wahrscheinlich zwei drei Meter ungefähr Und auch ein bisschen breiter dass das wasser da einfach öfter rein strömt und nicht nur im fall von einem extrem hochwasser.

00:34:27: Das ist vielleicht auch noch wichtig beim Fluss, dass Hochwasser eigentlich.

00:34:31: natürlicherweise würde das ein bis zweimal pro Jahr kommen und dann nicht im extremen Fall.

00:34:37: Also diese sieben Meter von denen ich vorhin gesprungen habe, das ist auch nicht gut für die Natur.

00:34:42: Wenn da ein dauerhaftes Wasser so hoch steht – auch für Wildtiere einen großer Schaden – die müssen ja irgendwo hinflüchten?

00:34:48: Woin flüchten die?

00:34:49: auf die Deiche, wo die Menschen stehen und Fotos machen?

00:34:53: Das funktioniert nicht so gut.

00:34:55: Aber diese regelmäßigen Hochwasser, das ist eigentlich das was uns fehlt und das hängt zum Beispiel auch mit dem Klimawandel zusammen mit der Trockenheit die mehr wird.

00:35:04: wir haben jetzt eine lange Dürreperiode hinter uns Und die extrem hoch Wasser die entstehen ja dadurch dass wir ein Wetterlage haben Die vor allem im Gebiet von Tschechien einen sehr lang anhaltenden Regen dort hält.

00:35:19: Die sollte eigentlich nicht so oft auftreten, die ist extrem selten.

00:35:23: Deswegen heißt das Ganze auch Jahrhunderthochwasser.

00:35:26: Nun hatten wir in diesem Jahrhundert schon zwei Hochwasser...

00:35:29: Das Jahrhunder hat gerade auch erst angefangen?

00:35:31: Ja genau!

00:35:32: Und was uns fehlt ist dass regelmäßig wieder Wasser in die Aue kommt und diese Lebensräume mit Wasser versorgt.

00:35:38: und das hängt damit zusammen, dass der Fluss sich verändert hat.

00:35:42: also wir haben jetzt ungefähr seit zweihundert Jahren an der Elbe wasserbauliche Maßnahmen.

00:35:48: Da werden Buhnen gebaut und andere Bauwerke.

00:35:51: Und die Sohle, also der Verlauf des Flusses wurde fixiert.

00:35:55: Der Fluss ist nicht mehr dynamisch, kann sich nicht mehr antrieren nach links- und rechts bewegen sondern es fixiert und bleibt an der gleichen Stelle.

00:36:03: Das sorgt dafür dass das Wasser sich an der gleichen Stelle nach unten einkräbt von oben.

00:36:09: Ja

00:36:09: klingt logisch ja!

00:36:10: Von oben bekommt der Fluss kein Futter.

00:36:13: Er sollte ja eigentlich aus dem Gebirge, Steine, Kies und Sand bekommen die dort abgebaut werden.

00:36:19: Dann gibt es in Tschechien vierundzwanzig Staustufen, die die Elbe dort regulieren Und eigentlich sollten die ja nur das Wasser zurückhalten.

00:36:28: aber an so einer Staustufe bleiben natürlich auch Steine Hängen.

00:36:31: Die kann man dort nicht so einfach rausholen.

00:36:34: Das heißt der Fluss bekommt von oben kein Futter nach und gräbt sich bei uns im Mittellauf immer weiter nach unten.

00:36:42: und wenn der Fluss nach unten wandert, dann zieht ja auch das Wasser aus der Flussaue.

00:36:46: Die links und rechts daneben liegt nach.

00:36:48: Es entsteht so ein Trichter und uns fehlt so ein bisschen das Wasser.

00:36:53: Welche Lösungsideen gibt es da?

00:36:56: Ja Ideen gibt's viele.

00:36:58: Hoffe ich!

00:37:00: Wie gesagt wir als WWF haben nicht die Möglichkeit den kompletten Fluss wieder herzurichten und zu retten.

00:37:06: leider was für eine Möglichkeit haben, ist wieder als ein Leuchtturm zu fungieren und zu zeigen.

00:37:12: Das könnte man umsetzen.

00:37:14: Einerseits eben mit manchen Biotopen nach unten gehen wie die Flutrinne und sagen, die binden wir jetzt tiefer an und retten sozusagen die Arten, die darauf angewiesen sind weil darum geht es.

00:37:24: das ist sein Wettrennen!

00:37:25: Die Arten sind dabei auszustärben und wir haben jetzt noch Zeit diese Arten irgendwie zu retten wenn wir was unternehmen.

00:37:34: Und an anderer Stelle dieses Problem sozusagen anzugehen, haben wir auch Ideen.

00:37:39: Dass man sagt das Material was wir aus der Flut drin herausholen dass nicht der Leben der da drauf liegt sondern darunter die Kiese Was machen wir damit?

00:37:47: Die könnten wir auf dem fluss direkt an der stelle zugeben und das ist etwas was wir auch gerade versuchen genehmigt zu bekommen dass wir das an dieser stelle dann auch im fluss verkicken können dort wo es besonders schnell ist also auf einer Strecke, die sehr lang und sehr gerade ist.

00:38:03: Das ist wie auf der Autobahn.

00:38:04: Dann wird das Wasser dort besonders schnell da sozusagen den Kies und den Sand dazu zu geben um das einfach zu verlangsamen dieses Austrocknen.

00:38:15: Wenn ihr jetzt mal so zehn, zwanzig Jahre in die Zukunft schaust?

00:38:17: Wir haben jetzt dreißig Jahre zurückgeguckt.

00:38:19: und ob wir den Jetztzustand auch gesprochen.

00:38:21: Jetzt gucken wir mal ein bisschen in die mittelfristige Zukunft.

00:38:24: welche Vision hat der WWF für die mittlere Elbe?

00:38:27: also wir wünschen uns dass die Elbe eine eine Wasserstraße wird, die wieder den Raum bietet das dort Mensch und Natur gemeinsam ökologisch leben können.

00:38:42: Also wir wollen die Menschen dazu animieren auch diesen Raum sich zurückzuholen und zu sagen Wir wollen da jetzt unseren Ausflug hinmachen.

00:38:50: Wir wollen dort etwas erleben!

00:38:52: Wir wollen als Schule daraus gehen und uns in echten Weiden mal anschauen.

00:38:56: Wir wollten auf der anderen Seite auch bewahren was noch da ist erhalten.

00:39:00: Ich möchte, dass die Arten, die wir jetzt haben... ...dass wir da nicht noch mehr verlieren.

00:39:05: Ich möchte das wir an der Stelle auch als so ein Funken angiert haben in zehn Jahren,... ...das wir diese Idee der Auenrenaturierung noch weiter verbreitet haben,... ....weil wir haben mit der Elbe einfach Glück.

00:39:18: sie ist in einem vergleichsweise guten Zustand verglichen.... ...mit anderen Flüssen in ganz Europa.

00:39:23: Du hattest es eingehend erwähnt, es sind wahrscheinlich die letzten naturnahen Auenwälder,... Und ich möchte gerne, dass wir da auch – ob es jetzt Frankreich ist.

00:39:34: Ob es Spanien oder andere Bundesländer in Deutschland sind – Menschen inspiriert haben mitzumachen und ihren Teil zu leisten.

00:39:42: Florian Cardog über das Projektgebiet mittlere Elbe.

00:39:44: Ich verlinke euch noch ganz viele Zusatzsachen, Informationen, Materialien, Filme – alles in den Shownotes.

00:39:50: und wenn ihr noch Fragen habt, dann schreibt uns gerne in den Spotify oder YouTube-Kommentaren oder per E-Mail an podcastatwf.e.

00:39:59: Florian vielen lieben Dank für deine Zeit und Teilen deines Wissens!

00:40:05: gesammelt hast.

00:40:06: Das ist Living Planet, der WWF Podcast.

00:40:08: Mein Name ist Eileen Wegner und wir hören uns wieder in zwei Wochen.

00:40:11: Ciao!

00:40:12: Tschüss.

Über diesen Podcast

Komm mit in die faszinierende Welt des Natur- und Artenschutzes mit „Living Planet – Der WWF Podcast“!
Erfahre alle 14 Tage spannende Geschichten direkt aus dem WWF-Kosmos: von packenden Artenschutzprojekten über die Herausforderungen der Klimakrise bis hin zu inspirierenden Erfolgen und den Menschen, die tagtäglich für unsere Erde arbeiten.
Wir machen Natur- und Artenschutz greifbar und zeigen dir, wie wir gemeinsam eine lebendige Zukunft für unseren Planeten gestalten können.

von und mit WWF Deutschland

Abonnieren

Follow us